Tauchen mit Behinderung

„Unter Wasser kann ich fliegen“

– Wasser ist für Menschen mit Bewegungseinschränkungen DAS Element schlechthin. Aus eigener Kraft aufrecht stehen, sich federleicht fortzubewegen … fast wie fliegen! Mit einer Ausbildung zum Taucher wird zusätzlich eine atemberaubende Welt unter Wasser eröffnet.

Die Tauchausbildungen sind auf Menschen mit besonderen Bedürfnissen abgestimmt und finden im größten barrierefreien Tauchzentrum Europas, im Süden von Graz statt.  Einschränkung ist nicht gleich Einschränkung, daher werden die Kurse auf Anfrage und nach Abstimmung auf die Bedürfnisse durchgeführt.

Zusätzlich werden auch Tauchreisen in faszinierende Tauchreviere wie z.B. ans Rote Meer/Ägypten organisiert.

 

Ausbildungen und Zertifikate

Tauchkurse für Menschen mit Behinderung

Wir Tauchlehrer der Handicapped Scuba Association setzen uns dafür ein, dass auch in Europa mehr Menschen mit einer Behinderung zu einer faszinierenden neuen Dimension des Wassersports finden. Der erste Schritt ist eine qualifizierte Ausbildung, eine anspruchsvolle Herausforderung. Erprobte Ausbildungsmethoden, moderne Ausrüstung und eine barrierefreie Ausstattung vieler Tauchbasen ermöglichen es nahezu jedem Menschen mit durchschnittlicher Gesundheit, das Tauchen im In- und Ausland zu betreiben. Tetra- oder Paraplegie, Zerebrale Lähmungen, Amputationen, eingeschränktes Hör- oder Sehvermögen, Blindheit oder Multiple Sklerose sind kein Grund, generell vom Tauchen abzuraten. Auch eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht. Voraussetzung ist lediglich, dass Herz und Kreislauf, Atemwege, Stirn-, Nebenhöhlen und Ohren nicht beeinträchtigt sind. Anforderungen, die für jeden anderen Taucher genauso zutreffen. Vor Beginn der Ausbildung sollte in jedem Fall eine ärztliche Grunduntersuchung durchgeführt werden. Einschränkungen gelten für Diabetiker und Asthmatiker.

Das Zertifikat der Handicapped Scuba Association (HSA)

Nach den Richtlinien der Handicapped Scuba Association (HSA) wird nach dem „Multi-Level-System“ zertifiziert. Die Zertifizierung richtet sich nach dem physischen Leistungszustand und dem Grad der Abhängigkeit des behinderten Tauchers von seinem Tauchpartner und der Fähigkeit, sich oder dem Tauchpartner in Notsituationen zu helfen.

Ausbildung zum Tauchbegleiter für Taucher mit einer Behinderung

Diese Spezialzertifizierung ist für Open Water Diver (OWD) oder Taucher mit höherer Ausbildungsstufe gedacht. Unsere Teilnehmer lernen, wie sie Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen sicher und effektiv, sowohl beim Tauchen als auch beim Reisen, unterstützen. Im Theorieteil wird ein Grundwissen über die verschiedensten Behinderungsarten vermittelt, wobei wir zusätzlich sehr viel Erfahrung aus unserer Praxis mit einfließen lassen. Hinzugezogene Rollstuhlfahrer können aus ihrem Leben nützliche und interessante Hinweise geben. Während des Freiwassertrainings erleben die Dive-Buddies in Simulationen die spezifischen Schwierigkeiten verschiedener Behinderungsarten über und unter Wasser. Ohne Flossen, mit zusammengebundenen Beinen wird ein Funktionsverlust von Unterkörper, Rücken- und Beinmuskulatur simuliert. Bei diesen Übungen sind die Taucher vollständig abhängig von ihren Partnern. Umgekehrt müssen die Partner z.B. einen kontrollierten Abstieg durchführen, indem sie die Tarierung beider Taucher kontrollieren. Blindheit wird mithilfe einer  Maske simuliert, was eine völlige Anhängigkeit vom Partner hinsichtlich aller Informationen bedeutet. Fühlbare Kommunikation tritt an die Stelle von Handzeichen und das Ablesen der Instrumente. Der Dive-Buddy-Kurs der HSA wird euch Tauchfertigkeiten näher bringen, wie es kein anderer Kurs kann!

Ausbildung zum Tauchlehrer für Menschen mit Behinderung

Der HSA Instructor Training Kurs steht Tauchlehrern, Assistant Instruktoren und Divemastern aller anerkannten Tauchorganisationen und -verbänden offen. Nach erfolgreicher Teilnahme wird man als HSA Instruktor, HSA Assistent Instruktor oder HSA Divemaster brevetiert. Der ITC wird von rund 35 HSA Kursdirektoren weltweit gelehrt. Er beinhaltet ca. 10 Stunden theoretischen Unterricht zu den Themen Behinderungsarten und ihre Ursachen, körperliche, geistige und seelische Auswirkungen von Behinderungen auf den betroffenen Menschen, Kriterien der HSA-Zertifikation, Zugänglichkeit von Räumlichkeiten, Tauchgebieten und -gewässern, Überlegungen zur Ausrüstung. Dieses breite Grundlagenwissen ist Voraussetzung für das Selbstvertrauen, das ein Tauchlehrer braucht, um seinen Schülern ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln.

 

Tauchreisen & Tauchtraining

Tauchreisen

Speziell ausgesuchte und ausgerüstete Hotels wurden von uns gefunden und gerne bereisen wir das für uns schönste Tauchgebiet – das Rote Meer in Ägypten! Sowohl die Zimmer im Hotel, die Tauchbasis und auch unser Ausflugsboot ist auf die Bedürfnisse der Rollifahrer abgestimmt. Für eine Tauchsafari – eine Woche leben an Bord eines Tauchschiffes – haben wir ebenfalls ein besonders ausgerüstetes Schiff anzubieten, das für 3-4 Rollstuhlfahrer Tauchkomfort und Urlaubsfeeling für eine Woche ohne Landgang bieten kann!

Tauchtraining in der REHA Klinik Tobelbad

Da das Hallenbad der Reha-Klinik speziell für die Verwendung durch Rollstuhlfahrer adaptiert wurde, brauchen unserer Teilnehmer nur wenig an Unterstützung, um ins Wasser zu kommen. Das entspricht durchaus dem Grundsatz der Handicapped Scuba Association: der Taucher mit einer Behinderung sollte soviel wie möglich „alleine und selbständig“ machen. Wir Tauchlehrer sehen uns als kreative Geister, die alles arrangieren, um diesen Menschen einen Tauchgang so selbständig wie möglich zu gestalten. Nach dem Einstieg und der Gewöhnung an das Wasser wird die Ausrüstung angelegt. Das höchste Augenmerk legen wir dabei auf die Tarierung: die richtige Wasserlage ist ausschlaggebend für ein Wohlfühlen und ein selbständiges Fortbewegen unter Wasser. Auch ein spezieller Schutz für die Knie und die Zehen der Taucher ist vorgesehen: ein Schleifen der Körperteile über die Fliesen würde schon nach wenigen Minuten zu einer Verletzung führen. Wenn die Taucher Vertrauen in ihr Gerät gewonnen haben, beginnen wir mit Bewegungen, die einem Rollstuhlfahrer zwar noch vertraut, von ihrer Behinderung her aber in letzter Zeit kaum noch möglich waren: der Salto, die Rolle, knien, etc. Auch Koordinationsspiele mit Bällen (Jonglieren, Balancieren, etc.) sind vorgesehen und werden von den Teilnehmern gerne in Anspruch genommen.

 

Studien:

Studien anfordern

Dank der großartigen Unterstützung von Primarius Dr. Gert Korisek wurden im Rahmen der Ausbildung zum Physiotherapeuten immer wieder Diplomarbeiten und Studien zu diesem Thema geschrieben. Alle diese Studien können bei uns angefordert werden.